Immer im ungeraden Jahr bricht der Männerchor (mit weiblicher Begleitung) zu einem Tagesausflug in die nähere Umgebung auf. Dieses Jahr suchten sich Uwe Rau und sein Team dafür Straßburg aus.
Und so starteten am 23. September 35 Neugierige gegen acht Uhr bei schönstem Wetter in einem Bus der Firma „Rast“. Der Weg führte fast von Anfang an linksrheinisch immer am Wasser entlang: Rhein / Rheinseitenkanal, historischer Rhein – Rhone – Kanal, vorbei an der Fähre Rhinau bis zum Fluss Ill. Dann waren wir auch schon im Zentrum der Stadt.

Es folgte eine interessante neunzigminütige Führung, die von einer kundigen Dame mit dem schönen Namen „Hélène“ geboten wurde. Ihre Stimme war wohlklingend und laut genug; sie brauchte kein Mikrofon, wir verstanden sie auch so. Wir erfuhren allerhand Details aus der reichen Geschichte dieser bekanntlich wunderschön anzusehenden Altstadt. Natürlich stand der ständige Wechsel der Herrschaft über das Elsass im Mittelpunkt ihrer Ausführungen. Mal gehörte es zu Frankreich, mal zum „Heiligen römischen Reich“, mal direkt zum „Zweiten“, später zum „Dritten Reich“.

Aber auch im Kleinen wusste unsere Leiterin Bescheid: Die Steuer für Hausbesitzer bemaß sich nach der Anzahl der Fenster und danach, ob der Giebel des Gebäudes zur Straße hin zeigte oder nicht. Fachwerkhäuser wurden bei Flutgefahr zerlegt und andernorts neu aufgebaut. Auch einzelne Gebäude mit ihrer wechselhaften Geschichte wurden uns nahegebracht: Gleich am Anfang zeigte sie auf ein stattliches Anwesen und zählte auf, was sich innerhalb der Mauern im Laufe der Geschichte alles darin abspielte: Vom Kloster übers Gefängnis bis zur heutigen Nutzung als „ENA“, der zentralen französischen Verwaltungshochschule, in der die künftigen Eliten des Staates ihre Ausbildung durchlaufen. Auch der amtierende Präsident Macron hat hier studiert.

Ein weiterer Höhepunkt stellte der Besuch der Thomaskirche dar. Dieses Gotteshaus besitzt eine Silbermannorgel aus dem Jahre 1741, auf der schon W.A. Mozart 1778 und Albert Schweitzer 1906 gespielt hatten! Außerdem ist ihr die zentrale Ausbildungsstätte für alle angehenden protestantischen Pfarrer in ganz Frankreich angeschlossen. Als wir die Kirche betraten, übte gerade ein Organist auf dieser wunderbaren Orgel. Also konnten wir dort nicht singen, aber sein hervorragendes Spiel entschädigte zumindest den Schreiber dieser Zeilen dafür.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Führung endete natürlich am Straßburger Münster; wir erfuhren dort, dass der fürs symmetrisch empfindende Auge schmerzlich fehlende zweite Turm aus statischen Gründen nicht gebaut wurde. Der Untergrund war dafür einfach zu weich – schade!

Nachdem man sich an den überreichen Details der Darstellungen biblischer Geschichten und Personen am Hauptportal sattgesehen hatte, wurde man recht unsanft wieder in die Gegenwart geholt: Überall patroullierten junge französische Soldaten in voller Uniform, Schussweste und Maschinenpistole (den Zeigefinger am Abzug), wohl um potentielle Attentäter abzuschrecken. Willkommen im 21. Jahrhundert!

Die anschließende freie Zeit (knapp drei Stunden) wurde zum Essen und Trinken, Shoppen und Sightseeing genutzt. So bot zum Beispiel der nahe gelegene „Place Broglie“ Gelegenheit, zeitgenössische Maler und ihre ausgestellten Werke zu bewundern. Um 15 Uhr betraten wir dann ein großes überdachtes Schiff , stellten unsere Kopfhörer auf „deutsch“ oder, wer etwas mutiger war, auf „elsässisch“ und hörten uns, während das Boot über den Ill dahinglitt, die Ausführungen zur Geschichte der Stadt an. Zwei Wendepunkte (Petite France und Europäischer Gerichtshof für Menschenrechte) teilten die ca einstündige Tour. Sie ist, mit einer Einschränkung, unbedingt empfehlenswert: Die Sitzschalen sind für große Menschen eher zu kurz geraten und ermöglichen kein entspanntes Genießen.

Nach einem obligatorischen Gruppenbild an der Fassade des Rohan – Palastes liefen wir entspannt bei recht warmen Temperaturen die ca zwei Kilometer bis zum vereinbarten Treffpunkt „Place etoile“. Dort bestiegen wir den Bus und fuhren Richtung Grenze zurück. Dabei fiel ein ansonsten eher unansehnliches Bauwerk ins Auge: die „Konrad–Adenauer-Brücke“. Mit dankbaren Gefühlen im Herzen kehrten wir dem Land den Rücken, das in der Hitlerzeit als „unser Erbfeind“ galt – bekanntlich waren es dann der damalige deutsche Bundeskanzler Konrad Adenauer und, auf französischer Seite, der amtierende Präsident Charles de Gaulle, die diesem unseligen Spuk mit der Unterzeichnung des deutsch – französischen Freundschaftsvertrages Anfang 1963 ein Ende bereiteten.

Gegen 18 Uhr erreichten wir dann unser vorletztes Ziel – der Gasthof „Schiff“ in Kappel – Grafenhausen. In ansprechendem Ambiente (zwei große Säle für entsprechend große Gruppen) genossen wir unser Abendessen, das uns freundlich und rasch an den Platz gebracht wurde. Aufbruch von dort war dann gegen 20 Uhr.

Kurze Zeit später erreichten wir unser heimisches Denzlingen. Ein schöner Tag ging zu Ende, und wer nicht dabei war, hatte etwas verpasst!

Jürgen Krämer