Nach und nach treffen die Hiergebliebenen am Bahnhof ein und besprechen die Temperaturen: Nachts ist‘s schon richtig kühl und tagsüber werden wir gebrutzelt, so wird’s auch heute sein. Ich stelle mich vorsichtshalber in den Schatten, obwohl ich diesmal meine Kappe dabeihabe. Aus Sparsamkeit und der Möglichkeit sonntags mit der Regio-Karte zu zweit fahren zu können, bekommt jeder seinen Begleiter zugeordnet. Der Elztal-Express wird von uns ignoriert, denn er würde nicht auf das bequeme Gleis gegenüber dem Breisach-Bähnle in Freiburg ankommen, wie es die rote Bahn tut, die wir einige Minuten später stehend benutzen.

Seniorengerechtes Umsteigen in Freiburg. Fast eine halbe Stunde hätten wir Zeit gehabt, unsere Beine ein wenig zu bewegen – nein, wir sitzen und warten. Der Lokführer kommt, schmeißt seine Tasche auf seinen Sitz ganz vorne und geht wieder nach draußen, um eine Zigarette zu rauchen, vielleicht auch zwei. Wir beobachten die Leute auf dem Bahnsteig, bewundern die pompösen Kinderwagen, ganz neue, zweier sichtlicher Migrantinnen und erinnern uns an unseren ersten Kinderwagen, der, aus weißem altem Korbgeflecht, von der Nachbarin vom Speicher freundlicher­weise geholt, uns zur Verfügung gestellt worden war, weil man ihn ja eh nur ein halbes Jahr benutzt. Tempora mutantur . . . (die Zeiten ändern sich).

Endlich rumpelt der Zug los, schnell fühlt sich dies an, als wenn er jetzt die halbe Stunde wieder aufholen müsste, aber es ist wohl der schlechte Gleiszustand, der uns hin- und herschaukeln lässt. Schnell kommt man ins Grüne: der Hauptfriedhof, dann der Wald von Landwasser, das Industrie­gebiet dahinter sieht man nicht. Wir stellen fest, dass in Hugstetten viel gebaut worden ist, selten kommt man in diese Ecke. Gottenheim, Wasenweiler und schon sind wir in Ihringen, dem wärmsten Ort in Deutschland – sagt man, und wir spüren, es muss wohl so sein.

Zu Fuß geht’s weiter das Seitental des Krebsbaches hinauf, auf der Maienbrunnenstraße am gleichnamigen Hof vorbei zur Martinshof-Schenke. Fast 45 Minuten brauchen wir, merken es aber kaum, da bei stetiger Unterhaltung die Zeit viel schneller vergeht. Wir erkennen schon den Parkplatz und hoffen, dass die Strauße nicht so voll ist wie dieser; aber keine Sorge, Bruni und Elisabeth haben vorzeitig für uns reserviert: ein großer runder Blechtisch mit gelbem Wachstuch und weitere zwei Garnituren sollen reichen. Ich zähle 26 Personen. Aber da kommen ja noch mehr: Zwei Fußläufige – natürlich nicht direkt von Denzlingen bis hier gelaufen – und mit dem Auto: Herr Erber. Er hat Verstärkung mitgebracht, neben seiner Frau auch seine Schwiegereltern.

Diese Schenke ist ideal für Familien mit kleinen Kindern, die neben den Tischen auf dem Spielplatz direkt am Hang toben können. Der Lössboden eignet sich sehr gut als Rutschbahn und wirbelt ordent­lich Staub auf. Dieser soll aber gesund sein, schließlich handelt es sich um Mineral­staub, der aus dem Alpenvorland in grauer Vorzeit nach Rückzug der Gletscher bis an den Kaiserstuhl verweht wurde, so lehrte man es uns beim letzten Ausflug in den Samengarten.

Wir bestellen Getränke: Wasser, Schorle, Radler, Bier; eigentlich ist es eine Weinschenke, aber bei der Hitze schon kurz nach Mittag schon Wein zu bestellen, nein, jedenfalls nicht gleich. Zum Zwiebelkuchen muss man halt den Neuen Süßen trinken. Hätten einige im Voraus gewusst, wie der Zwiebelkuchen aussieht, eigentlich wie ein Flammkuchen mit Zwiebeln drauf, hätten sie vielleicht keine Schweinshaxe, Knödelsuppe oder Pfifferlings-Gerichte gegessen. Das Essen allesamt war wirklich gut.

Zurück am Bahnhof Ihringen wurde noch ein Gruppenbild gemacht, dann ging‘s flott bis Freiburg, noch flotter beim Umsteigen. Zwei hatten es wohl nicht mehr geschafft, aber wir sind ja alle erwachsen, dachten wir, die schon im fahrenden Zug saßen bzw. standen. Als Verantwortliche für den Ausflug blieb Elisabeth noch am Bahnhof: Alle kamen glücklich nach Hause.

Datum: 16.09.2018
Einhart Fiedler

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