„FREISTIL trifft den Denzlinger Pop- und Jazzchor“

- so lautete der Programmtitel unseres Auftritts am Montag, den 7.10.2019 im Rahmen der Denzlinger Kulturwoche 2019. FREISTIL ist eine Freiburger Theatergruppe, die sich unter anderem in der Kunst des Improvisationstheaters versteht. Und so versprach das Programmheft einen „Abend ohne festes Programm mit ausschließlich spontan entstehenden Szenen“. Vertreten war FREISTIL an diesem Abend durch Christian M. Schulz und Nicole Djandji-Stahl.
Wir Sängerinnen und Sänger des Pop- und Jazzchores waren mindestens genauso gespannt wie das Publikum, was uns erwarten würde, hatten wir doch nur unmittelbar vor dem Konzert eine ganz kurze Mini-Probe mit den Theaterleuten zusammen. Im Vorfeld mussten wir uns zum Glück nicht mit mehrstimmiger Improvisation beschäftigen, sondern durften auf unser Repertoire an alten und neuen Lieblingssongs zurückgreifen. Die von uns ausgewählten, von Sabine Pander dirigierten und von Sebastian Oberlin am Flügel begleiteten Stücke sollten dann Christian und Nicole als Rahmen dienen, um mit schauspielerischem Können und Witz das Publikum zu begeistern.

Nachdem also Christian ein paar Worte der Begrüßung gesprochen hatte und der Pop- und Jazzchor mit „Let Me Entertain You“ auf das Kommende einstimmte, wurde das Publikum aufgefordert, Vorschläge zu bringen zum Thema „Was wäre, wenn…“. Den meisten Applaus erhielt der Vorschlag „Was wäre, wenn alle glücklich wären?“, und Nicole und Christian erläuterten, dass es im ersten Spiel darum gehen würde, JEDEN EINZELNEN SATZ mit dem jeweils folgenden Buchstaben des Alphabets zu beginnen. Das Publikum durfte noch den Startbuchstaben wählen, und nach einer äußerst kurzen Bedenkzeit, in der das Publikum lautstark „5-4-3-2-1-Los!“ herunterzählte, ging es los mit „Bei uns gibt’s immer Rosenkohl…!! - worauf sich ein Dialog zwischen einer mäkeligen Teenager-Tochter und ihrem auf Harmonie und Glück in der Familie bedachten Vater entspann. Witzig und ideenreich improvisierten sich Nicole und Christian durchs Alphabet, und während sich Publikum und Chor noch in gespannter Erwartung fragten, wie man wohl einen Satz mit Q beginnen könnte, lieferte Christian schon die Antwort mit „Quarkbällchen!!!“ – was natürlich großes Gejohle und Szenenapplaus zur Folge hatte. Der Chor durfte dann passend zum Thema mit „Imagine“ die erste Runde abschließen.

Weiter ging es mit einem „Diavortrag“: Wieder durfte das Publikum ein Thema vorgeben, mit dem Autofahren sollte es etwas zu tun haben. Die Wahl fiel auf „Das Auto ist kaputt“, und diesmal durften ein paar Chormitglieder als Darsteller mitwirken. Christian „klickte“ sich durch die Abenteuer einer Familie auf USA-Reise, die mit einem plötzlichen Motorschaden konfrontiert war, und das Publikum durfte sich an den „Momentaufnahmen“ der in mehr oder weniger anstrengender Pose erstarrten Familienmitglieder erfreuen. Für Entspannung der (Lach-)Muskeln sorgte dann „Route 66“ vom Chor.

Zum Brüllen komisch war auch das von Christian auf „mongolisch“ geführte Interview mit einer mongolischen Lyrikerin, verkörpert von Nicole, deren mit bedeutungsvollen Gesten untermalte Ausführungen und Beispiele ihrer Dichtkunst, alles natürlich auf „mongolisch“, er dem Publikum äußerst wortgewandt und geistreich „übersetzte“. 

Nach „May it be“ vom Pop- und Jazzchor gab es noch eine tiefschürfende „Beziehungsdiskussion“ zwischen einer jungen Polizistin und ihrem allerersten Gefangenen, die am Ende gerade noch die Kurve kratzte zum Sieg von Recht und Ordnung über die Gefühle, bevor der Chor mit „Bohemian Rhapsodie“ den ersten Teil des Abends beschloß und das Publikum in die Pause entließ.


Als sich das Publikum, gestärkt durch einen Teller mit vom Schwarzwaldverein zubereiteten „Schwarzwald-Tapas“ und das eine oder andere Gläschen Sekt, wieder im Saal eingefunden hatte, gingen erst einmal die Lichter aus. Aber nicht etwa hatte die Technik versagt, vielmehr setzte ein durch Schnippsen, Klatschen und Trampeln simulierter tropischer Gewitterregen inklusive Blitz und Donner ein, und mit „Africa“ stimmte der Chor auf den zweiten Teil des Abends ein. Dieser begann mit einem zutiefst philosophischen Vortrag zum vom Publikum gewählten Thema „Sein oder Nichtsein“. Was staubtrocken und ernst klingt wird allerdings sehr lustig, wenn die ausholend gestikulierenden Hände des Vortragenden nicht seine eigenen sind, sondern diejenigen seiner hinter seinem Rücken versteckten Partnerin.
Nachdem der Chor mit „Human“ das Publikum begeistert hatte, demonstrierten Nicole und Christian noch einmal ihre herausragende Improvisationskunst. Das Publikum war im Vorfeld gebeten worden, Filmzitate oder ähnliche Sprüche auf Zettelchen zu schreiben. Diese lagen nun verstreut auf der Bühne und wurden einer nach dem anderen abwechselnd von den beiden aufgehoben, um aus Sätzen wie „Meine Name ist Bond - James Bond“ und „Hol schon mal den Wagen!“ dramaturgisch geschickt und virtuos eine spannende Handlung um eben jenen und eine gewisse Laura im Casino Royal zu basteln, wobei überraschende Wendungen für garantierte Lacher und vielfachen Szenenapplaus sorgten. Der Chor durfte mit „Skyfall“ noch einen besonderen musikalischen Höhepunkt setzen.


Dann war das Publikum selbst zum Singen aufgefordert: Durch Nicole und Christian in Gruppen eingeteilt und angeleitet entstand eine Art Kanon über die Worte „Oye“ – „Vida“ – „Como Va“, der zugleich als Intro für unser nächstes Stück diente, das mit genau diesen Worten beginnt: „La Vida“. Zum Schluss musste der Chor dann auch noch ein bißchen „improvisieren“: Mit Unterstützung durch Nicole und Christian und nach Stimmgruppen eingeteilt, die einen auf „du-du-du-du“, die andern auf „da-da-da, da-da-dadaa“, groovten wir uns ein, bis der Backgroundchor stand, und das stimmgewaltige Publikum sang dazu den vorher auserkorenen Refrain, gleichsam die Quintessenz aller harmonischen Beziehungen: „MACH DEN ABWASCH, WENN DU MICH LIEBST!“.
Nach diesem fulminanten Abschluß wurden sowohl die Improvisationskünstler Nicole und Christian von FREISTIL als auch der Pop- und Jazzchor, natürlich auch Sabine Pander und Sebastian Oberlin mit tosendem Applaus belohnt. Der ganze Abend hat uns allen großen Spaß gemacht, es war eine ganz tolle neue Erfahrung, und unter diesem Eindruck ließen wir es uns nicht nehmen, noch eine passende Zugabe zu schmettern mit „Don’t Stop Me Now!“.

Von Carolin Waldmann

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